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Meinen Hass bekommt ihr nicht

 

Bewegendes Drama nach Bestsellervorlage um einen Mann, der seine Frau beim Anschlag auf das Bataclan verloren hat. Produziert von Komplizen Film und inszeniert von dem auf wahre Stoffe spezialisierten Kilian Riedhof.

Der preisgekrönte Filmemacher Kilian Riedhof, der mit "Der Fall Barschel" und "Gladbeck" bereits reale, tragische, geschichtsträchtige Ereignisse aufgriff, tut es auch bei "Meinen Hass bekommt ihr nicht" Er hat es allerdings mit einer größeren Herausforderung zu tun, geht es doch mit dem viele Todesopfer fordernden Anschlag auf das Bataclan im November 2015 um die noch viel stärker gefühlsbeladenere, nahe Geschichte und um ein traumatisches Ereignis in viel größerem Maßstab, das in Paris stattgefunden hat. Er und seine eingespielten Schreibpartner Marc Blöbaum und Jan Braren konzentrieren sich in ihrem mit der Drehbuch-Lola ausgezeichneten Skript auf einen Betroffenen, Autor Antoine Leiris, dessen kurz nach dem Anschlag geschriebener Blog "Meinen Hass bekommt ihr nicht" vielfach geteilt, zur Titelseite und später zu einem Bestseller wurde, der als Grundlage für den Film diente.

Sie schildern, wie Antoine die Tragödie erlebt. Von der ersten SMS, die er über den Anschlag erhält, über seine verzweifelten Bemühungen, Informationen zu bekommen und wie er mit der Sicherheit darüber umgeht, dass er seine Frau verloren hat und alleine für den kleinen Sohn verantwortlich ist bis zu den quälenden Wochen danach. Man sieht Antoine alleine in tiefster Trauer und zusammen mit seinem Sohn, beim Spielen und Essen, währenddessen er und mit ihm auch das Publikum lächeln kann. Und man sieht ihn im Drama, das vor allem in der Wohnung Antoines spielt, zusammen mit seiner Familie und der seiner Frau. Die spricht aus, worüber sich auch der Zuseher vielleicht ein wenig wundern mag, warum er so kurz nach dem Anschlag ins Fernsehen gegangen sei.

"Meinen Hass bekommt ihr nicht" erzählt ruhig, zurückgenommen und realistisch, nur mit leichter Stilisierung Alltag, auch Streitereien, skizziert Antoine als nicht nur sympathischen Helden. Sofort ins Herz schließen muss man die kleine Zoe Iorio, die als Antoines Sohn ihn motiviert, seinen Hass zu überwinden. Man ist beeindruckt, wie ausgezeichnet das Kleinkind spielt, vom Team geführt wird. Im starken französischsprachigen Ensemble um Pierre Deladonchamps, zu dem mit Marie Burchard auch eine deutsche Schauspielerin in einer kleinen Rolle gehört, sticht auch Camelia Jordana, die in der Rolle von Nilam Farooq in "Contra" im französischen Originalfilm glänzte, als selbstbewusste, lebhafte Frau Antoines heraus.

Das klassisch, chronologisch erzählte Drama um den langen, schweren Weg zurück zu einem fast normalen Leben endet mit hoffnungsvoller Note, mit Vater und Sohn im noch mit seiner Frau geplanten Korsika-Urlaub. Wunderbare, lebendige Momente sind auch, wenn Antoine seinen Sohn findet, der sich nach einer Schelte im Kleiderschrank seiner Frau versteckt hat, oder eine junge Frau in der U-Bahn Antoine spontan für seinen Blog dankt. Die Produktion von Komplizen Film mit französischen und belgischen Partnern, die in Locarno große Premiere feierte, lässt den Anschlag selbst außen vor. Im Gegensatz zu Isaki Lacuestas spanisch-französischem Berlinale-Beitrag "Frieden, Liebe und Death Metal", der im Dezember in den Kinos startet und sich als nächstes mit den Geschehnissen vom 13. November 2015 auseinandersetzt. Auch hier steht ein Paar im Zentrum.

Heike Angermaier.

Quelle: Blickpunkt:Film

 

 

Genre: Drama
Länge: 103  Minuten
FSK: ab 12

 

 

 

 

 
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