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Kieber Kurt

 

Til Schweiger traut sich erneut großes Gefühlskino mit der Verfilmung von Sarah Kuttners Bestsellerroman "Kurt".

Regisseur und Hauptdarsteller Til Schweiger scheut nicht zurück vor großen Themen. Er scheint sie im Gegenteil immer wieder zu suchen. Schon in seiner zweiten Regiearbeit, "Barfuss", spielte Johanna Wokalek eine Patientin mit posttraumatischen Störungen. In seinem legendären Erfolgsfilm, "Honig im Kopf", der im Vorfeld

stark unterschätzt wurde, was seine Wirkung beim Publikum betrifft, überzeugte Dieter Hallervorden als Mann mit Alzheimer. Auch in Schweigers letztem Film beschäftigt er sich mit dem Schicksal eines jungen Mannes, gespielt von Emilio Sakraya, mit bipolarer Störung. Auch diesmal

fordert er seine Zuschauer mit einem großen Thema heraus, nämlich der Trauer über den Verlust eines geliebten Kindes. Wie in den vorangegangenen Filmen, versucht Schweiger das nicht mit den Mitteln des Arthousekinos sondern denen des Mainstreamfilms zu erzählen, in großen Kinobildern, die in ihren glücklichsten Momenten den schönsten Schnappschüssen einer familiären Idylle auf dem Land entsprechen. Regisseur Schweiger filmt dafür aber auch das Leid und die Trauer so intensiv und in Großaufnahme, dass beim Zuschauer eine hohe Identifikation und fast ein kathartischer Effekt erzeugt wird.

"Kurt", der vierte Roman von Bestsellerautorin Sarah Kuttner liefert die Vorlage. Darin versucht der ältere Kurt, verletzlich, fast zärtlich und ohne Macho-Attitüde gespielt von Schweiger, mit seiner neuen Freundin Lena, verkörpert von der auf der großen Leinwand noch wenig gesehenen, dafür umso großartiger aufspielenden Theaterschauspielerin Franziska Machens, ein Leben fern der Stadt in einem malerisch heruntergekommenen Haus zu beginnen. Wichtiger Teil ihres Lebens ist der kleine Kurti, Kurts Sohn aus erster Ehe. Der wird nun gänzlich unwiderstehlich mit seinem kindlichen Charme, seinem Witz und seiner Schlagfertigkeit von Schweigers Entdeckung Levi Wolter gespielt. Mit seiner Mutter (Jasmin Gerat als erfolgsgewohnte Geschäftsfrau) bilden die vier eine moderne Patchworkfamilie. Der Kleine soll auch im neuen Heim ein zweites Zuhause finden. Die Zuneigung und das Verständnis

zwischen den beiden Kurts ist überdimensional. Umso schrecklicher, als das größte denkbare Unglück eintritt, und Kurt bei einem Unfall ums Leben kommt.

So leicht, beschwingt und humorvoll die Geschichte bis dahin erzählt war, so schwer und randvoll mit Trauer gefüllt, wird sie jetzt. Und Schweiger lässt diese bodenlose Trauer auch zu. Fast wie ein später Ingmar Bergman hält er in Großaufnahme auf die aufgelösten Gesichter, auch wenn er sich die kleinen Zwischenschnitte einfach nicht versagen mag. Diese Trauerarbeit im Film wird gemildert durch Rückblenden, die tröstliche Erinnerungen bebildern, und

durch Begegnungen mit Freunden und Familie, für die er ausnahmslos große Schauspieler gewinnen konnte: Peter

Simonischek als sein liebender Vater oder Heiner Lauterbach als verständnisvoller Nachbar, der nach dem Verlust seiner Frau durch eine eigene Hölle gegangen ist.

Vielleicht ist es Schweigers größtes Verdienst diese Trauer zuzulassen und gleichzeitig von der Hoffnung auf ein Leben mit dem Verlust und dem Ende der Trauer zu erzählen. Den Film durchzieht ein lebenskluger, humorvoller Grundton, der ein großes Publikum durchaus stark ansprechen könnte.

Ulrich Höcherl.

Quelle: Blickpunkt:Film

 

Genre: Drama
Länge: 136  Minuten
FSK: ab 12
 
 

 
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